BÜNDNIS FÜR LEHRER - "Berliner Bildungspolitik - erneut gescheitert!"

Eigentlich erfährt man aus der Hauptstadt nichts Neues,
aber dennoch birgt die neueste Studie (IQB-Studie 2015, veröffentlicht am 28.10.2016) einen bitteren Beigeschmack für die betroffenen Lehrkräfte, falls diese darauf noch reagieren (können).

Die Berliner Schulqualität befindet sich seit Jahren regelmäßig am Ende der Vergleichsskala zu den anderen Bundesländern. Seit vielen Jahren leiten Politiker der SPD die Senatsbildungsverwaltung und tragen damit allein die Verantwortung für die Schulqualität in dieser Stadt.

Die negativen Ergebnisse des neuesten Schulqualitätsvergleichs belegen die Unfähigkeit, die Schulqualität in Berlin im Vergleich zu den anderen Bundesländern zu verbessern.

Die von der Senatsbildungsverwaltung z.T. mit viel Geld initiierten Maßnahmen (s. u.a. Presseerklärung der Senatsverwaltung vom 28.10.2016) gehen ins Leere, weil die notwendigen Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Unterrichts- und Erziehungsarbeit fehlen.

Wenn jahrzehntelang die Verbeamtung der Lehrkräfte abgelehnt wird und deshalb Lehrkräfte lieber in andere Bundesländer als nach Berlin gehen, weil dort verbeamtet wird, verliert unsere Hauptstadt qualifiziertes Personal.

Einen Ausgleich stellen weder höhere Ausbildungskapazitäten noch umfangreiche Einstellungen von Quereinsteigern dar, zumal selbst im IQB-Bericht zu lesen ist, dass qualifizierte Lehrkräfte die Bildungsqualität steigern.

Eine erfolgreiche Bildung und Betreuung der Schülerinnen und Schüler setzt sowohl entsprechende Arbeitsbedingungen und Qualifikationen der Lehrkräfte als auch des sonstigen pädagogischen Personals voraus.

Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen gehören die Rücknahme der erhöhten Pflichtstunden der Lehrkräfte und eine Aufstockung des sonstigen pädagogischen Personals.

Wer jahrelang unter dem Gesichtspunkt einer Kosten-Leistungs-Rechnung Mittel kürzt und zudem eine Reform nach der anderen probiert, trägt auch die Verantwortung für Defizite in der Qualität.
(s. auch Prof. Ulrich Trautwein im Interview mit Spiegel-online vom 28.10.2016:
„Schulsysteme sind dann erfolgreich, wenn die Verantwortlichen ambitionierte Ziele formulieren, den Unterricht in den Mittelpunkt stellen und überflüssige Reformen vermeiden.“ [...] „Ich bin immer dann misstrauisch, wenn mit einer Reform bestimmte Heilsversprechen verbunden sind, aber nicht wissenschaftlich belegt ist, dass die Maßnahme auch die Qualität des Unterrichts verbessert.“ )

Die Senatsbildungsverwaltung sollte sich auf die Vertretung und Regelung von Grundsätzen beschränken und das operative Geschäft den Regionen und Schulleitungen überlassen, die die Lage vor Ort i. d. R. besser kennen, damit u. a. mehr Personal für die Erteilung von Unterricht zur Verfügung steht.

Modelle, Reformen, Kommissionen und Inspektionen helfen nicht, solange sich die Rahmenbedingungen vor Ort nicht verbessern.

UND:
Leistung muss sich lohnen.

Wer nicht bereit ist, Leistung zu fördern und zu fordern, indem die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer Fähigkeiten in für sie adäquaten Lerngruppen gefördert und gefordert werden, wird auch keine guten Ergebnisse im Ländervergleich erreichen können.

Daher erwarten die Beschäftigten nicht nur Lippenbekenntnisse einer Senatorin, sondern im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit eine Anerkennung und Wertschätzung ihres Tagesgeschäfts, das in Berlin immer unattraktiver zu werden scheint.

Ferdinand Horbat für das Bündnis für Lehrer – die Lehrergewerkschaften im dbb berlin
Berlin, den 31.10.2016

pdf BFL INFO 2016/05
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